Gewerbeimmobilie voller Leben und Innovation

Geschichte

Logo der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine
Heinrich Lorenz, 1862 - 1946, Konsumgenossenschafter und Geschäftsführer der GEG
Planzeichnung, 1921
Erich Basarke, 1878 - 1941, Architekt der Kauffahrtei

1894 - 1923 Die Anfänge

1894

Gründung der „Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine m.b.H. – GEG“ in der traditionsreichen Handelsstadt Hamburg. Ziel war,die Vorteile des Großhandels für Konsumgenossenschaften effektiver nutzbar zu machen. Zu den Gründungsgesellschaftern zählten 47 Konsumvereine, von denen 27 allein in Sachsen ansässig waren. Auch Chemnitz, bekannt als Wiege der Konsumbewegung in Deutschland war hatte seinen Konsumverein.

ab 1901

Trotz anfänglicher Startschwierigkeiten entwickelte sich die GEG rasch zu einem erfolgreichen Wirtschaftsunternehmen. Es wurde ein Netz zentraler Warenlager eingerichtet:
1901 in Mannheim, 1902 in Chemnitz, Berlin und Düsseldorf und 1904 in Erfurt.

Bis 1926 entstanden insgesamt 16 Warenlager.

1910/1913

Um dem Preisdiktat der Lieferanten zu entgehen, beschloss die GEG weiterhin, eigene Produktionsstätten zu errichten.

Das Programm zur Umsetzung dieser Idee entwickelte Heinrich Lorenz (1862-1946), der bereits in jungen Jahren der Chemnitzer Genossenschaftsbewegung vorstand und seit 1903 Geschäftsführer der GEG war.  Ihm zu Ehren wurden in Chemnitz eine Straße und eine Brücke benannt. Die erste Fabrik der GEG produzierte ab 1910 im sächsischen Gröba Seifen.

1916

Die GEG beschließt entsprechend des Programmes von von Heinrich Lorenz das sächsische GEG-Warenlager, das sich seit 1912 in Gröba befand, nach Chemnitz zurückzuverlegen, während die Gröbaer Produktionsstätten. Die Geburtsstunde der Handelszentrale in Chemnitz.

Die Verhandlungen über die Kauffahrtei als zunächst unbebautes Grundstück im Süden von Chemnitz beginnen.

1917 - 1923

Bereits 1917 erwarb die GEG ein unbebautes Grundstück im Süden von Chemnitz gegenüber dem Stadtpark. Für dessen Wahl war die Nähe zur Eisenbahn von Bedeutung, da große Warenmengen zu dieser Zeit nur per Schiff oder Bahn kostengünstig transportiert werden konnten.

Im Jahr 1920 entwickelt sich die GEG zum größten deutschen Handels- und Produktionsunternehmen mit Anschluss von über 1.000 Konsumvereinen. 1920 wurde umsatzseitig bereits die Milliardengrenze überschritten.

Bei der Erschließung des Industriegebietes wurde auch der Bau einer Straße notwendig. Sie erhielt 1922 den Namen „Kauffahrtei“ – eine aus dem Mittelalter stammende Bezeichnung für Handel – wohl als Reminiszenz an die erfolgreiche Hamburger Großeinkaufsgesellschaft.

Von 1921 –1923 wurden die Gebäude der neuen Handelszentrale nach Plänen von Erich Basarke (1878-1941) errichtet.

Lageplan für die Erweiterung, 1928
Ansicht der Gesamtanlage, 1930

1924 - 1945 Erweiterung der Handelszentrale

1924

Auf dem zunächst ca. 44.500 m2 großen Gelände erhebt sich nördlich die Dreiflügelanlage mit dem Haupteingang zur Nebenstraße und einem nach Süden offenen Hof. Sie umfasst ein Kolonialwarenlager mit Mostrichfabrik, Ölabfüllerei, Linsenbearbeitungsanlage, Kaffeerösterei, Kakao- und Teeabpackerei, ein Lager für Textil- und Schuhwaren.

An der Südseite des Grundstücks befindet sich das Lager für Hausstandsartikel und die Malzkaffeefabrik mit Getreidesilo und Rösterei. Das Verwaltungsgebäude liegt an der Straße Kauffahrtei mit Blick auf die Chemnitz.

1928

1928 bis 1930 wurd die Erweiterung der Bauten geplant und umgesetzt. Das große Lagergebäude wurde zu einer Vierflügelanlage geschlossen. Weiter mußte ein neues Lagergebäude für Hausstandsartikel errichtet werden, da der Vorgängerbau durch einen Brand vernichtet worden war. Außerdem entstand ein sogenanntes Wohlfahrtsgebäude, in dem sich moderne Sanitäranlagen, eine Unfallstation sowie die Werkküche mit mehreren Speisesälen für die GEG-Beschäftigten befanden.

1940

Die GEG mit ihren Handelseinrichtungen und Produktionsstätten ebenso wie  die Konsumgenossenschaften insgesamt werden der Deutsche Arbeitsfront unterworfen.

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten und des 2. Weltkrieges werden keine Veränderungen vorgenommen.

Logo der Konsumgenossenschaften in der DDR
Regisratur des Konsum-Versandhandels in der Kauffahrtei
Deckblatt des Versandhauskataloges 1973

1945 - 1989 Die Kauffahrtei in der DDR-Wirtschaft

1945

Der Befehl 176 der SMAD (Sowjetische Militäradministration) vom 18. Dezember 1945 war die Grundlage für den Wiederaufbau der Konsumgenossenschaften in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone. Die damit verbundene Rückübertragung des enteigneten Vermögens ist nur teilweise erfolgt.

Nach 1945 wurde in der Chemnitzer Kauffahrtei der Großhandel durch die Konsumvereine wiederbelebt. Den Großhandel durch die Konsumvereine mussten die Konsumgenossenschaften 1960 an den Staat abgeben.

1946

Übereignung der GEG-Handelsniederlassungen - also auch der Kauffahrtei mit Malzkaffee-, Mostrich- und Essigfabrik - an den Verband Sächsischer Konsumvereine - VSK.

1954

Die Kauffahrtei ist als Handelsniederlassung rechtlich selbständig und wird dem 1949 gegründeten Verband Deutscher Konsumgenossenschaften – VdK eG (heute Zentralkonsum eG) zugeordnet.

Ein Teil der Kauffahrteiflächen wird für die volkseigenen Großhandelskontore Textilien, Möbel, Haushaltwaren und für einen Kühlbetrieb genutzt.

1960     

Der Startschuss für das Konsum-Versandhaus in Chemnitz, damals Karl-Marx-Stadt, fiel am 01.10.1960. Nachdem der VDK im Mai 1960 die Eröffnung des Versandhandels beschlossen hatte, wurde die anzubietenden Sortimente mit dem Ministerium für Handel und Versorgung und der entsprechenden Abteilung des ZK der SED abgesprochen.

Quelle: KONSUM Konsumgenossenschaften in der DDR, "Der Konsum-Versandhandel, 1960 - 1975", Andreas Ludwig

1961

wurden die Kauffahrtei-Anlagen als Standort für die Versandhandels-Zentrale der Konsumgenossenschaften "Konsum-Versandhandel Karl-Marx-Stadt" (später: konsument-Versandhaus) gewählt. Die Lage sollte kurze Warenwege und Lieferfristen garantieren. Außerdem lag das Hauptaufkommen der Produktion in den Südlichen Bezirken. 54 % der Textielwaren wurden zum Beispiel im Bezirk Karl-Marx-Stadt erzeugt.

1976     

Einstellung des Versandhandels in der DDR wegen nicht mehr ausreichender Warendecke.

Haus 2

ab 1990 Sanierung und Neuausrichtung

Nach dem politischen und wirtschafltichen Umbruch 1990 wurden viele Betriebe geschlossen. In der Folge musste die Eigentümerin der Immobilie dem niedrigen Vermietungsstand durch veraltete Ausstattungsstandards und dem damals schwierigen wirtschaftlichen Umfeld in Chemnitz entgegenwirken.

In der Folge begann 1998 die umfangreichen und denkmalgerechte Sanierung des Kernstücks des heutigen Gewerbeparks: Das vierflüglige Hauptgebäude wurden entkernt und neu aufgebaut. Der Konsumverband investierte rund 15 Millionen Euro für die Sanierung.

Im Juli 1999 wurde das denkmalgerecht sanierte Haupthaus im Beisein des Sächsischen Ministerpräsidenten eingeweiht.

Mit der Sanierung des Hauptgebäudes wurden auch die Außenanlagen neu gestaltet und der Innenhof rund um die Brunnenanlage "Garten der vitalen Linie" neu aufgebaut. Er lädt heute zum Verweilen ein und wird von den Mitarbeitern der Mieter gern genutzt, um in der Mittagspause die Sonne zu genießen.

In den Folgejahren wurden auf dem Gelände auch die weiteren Gebäude schrittweise saniert und neue Hallen gebaut. Im Jahr 2000 konnte die Esina-Feinkost GmbH in die neu errichtete Halle 9 einziehen. Das Haus 2, ehemals das Wirtschafts- und Sozialgebäuder der Kauffahrtei wurde nach Sanierung und Umbau an die IAV Auto und Verkehr GmbH übergeben.

2001 wird Haus 4 für die Firma HÖRMANN Industrietechnik GmbH (später Voith Industrial Services GmbH, heute Leadec BV & Co. KG) als Eigentümerin eingeweiht.

Von 2003 bis 2004 wurde das neue Pförtnergebäudes "Tor zur Kauffahrtei" als Zufahrt über die Johann-Esche-Straße gebaut und damit ein repräsentatives Gebäude zur Begrüßung der Gäste und Mieter geschaffen.